Was ist uns wichtig im Leben?
Nachdem wir nun mehr als ein halbes Jahrhundert leben (das Foto oben links ist leider schon 15 Jahre alt), müssen wir uns wohl fragen, was haben wir für uns erreicht. Es gibt da ja diese griffige Faustformel:Ein Haus bauen
Ein Kind zeugen
Einen Baum pflanzen
Nun ja, demnach haben wir überhaupt Nichts erreicht. Wir haben kein Haus gebaut (zur Wohnung hat es allerdings gereicht), Kinder haben wir auch nicht gezeugt (in beiderseitigem Einverständnis) und einen Baum haben wir mangels Garten auch nicht gepflanzt. Haben wir dann das Leben verfehlt?
Natürlich nicht, denn wir sehen unseren Sinn in erheblich anderen Dingen. Allerdings sind diese Dinge mit Sicherheit sehr egoistisch und es wird nicht wenige Menhschen geben, die eine solche Einstellung verurteilen werden. Aber auch da ist unser Egoismus groß genug um zu sagen, dass uns diese Meinunegn egal sind.
Was ist uns denn nun wichtig? In erster Linie unsere Beziehung. Dann kommt wohl auch ein gewisser Wohlstand dazu. Außerdem sind wir extrem gerne unterwegs. Dazu kommt noch ein Gefühl, dass wir vor uns selber nicht zu schlecht aussehen. Damit ist gemeint, das wir versuchen, mit anderen Menschen würdevoll umzugehen, keine Menschen zu übervorteilen und Toleranz zu leben und nicht nur zu predigen. Auch ein einigermaßen verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt gehört dazu. Auch wenn wir an dem Punkt des Öfteren mit anderen Zielen in Konflikt geraten. Denn Wohlstand ist immer auch Verschwendung.
Wir sind mittlerweile fast 20 Jahre verheiratet und glauben, dass wir ein ganz gutes Rezept für eine erfolgreiche Beziehung gefunden haben. Rezept ist vielleicht das falsche Wort. Denn das würde heißen, man kann es aufschreiben und weitergeben. Das können wir wohl nicht. Aber wir haben einen Weg gefunden, unser Leben so zu gestalten, dass es für Beide den größtmöglichen Gewinn bringt. Dazu gehört in erster Linie Respekt vor dem Partner. Dazu gehört mit Sicherheit auch eine große Toleranz und eine gewisse Gelassenheit bei Kleinigkeiten. Dazu gehört ein absolutes Vertrauen und der Wille, dieses Vertrauen auch nicht unnötig zu belasten. Mit anderen Worten gehört dazu eine absolute Treue und Ehrlichkeit. Auch wenn diese Werte heute oft nicht mehr so streng gesehen werden, in unserer Beziehung haben Sie eine enorm große Bedeutung. Bei jeder Versuchung müssen wir uns überlegen, ob es das wert ist. Denn man würde etwas zerstören, was man jahrelang aufgebaut hat und mit Sicherheit nicht mehr zurück bekommt. Wir haben den Wunsch, miteinander alt zu werden. Und das mit allen Konsequenzen. Und dazu gehört eben auch der bedingungslose Einsatz für die Beziehung. Denn automatische Sicherheiten gibt es nicht. Es ist schon ständiger Aufwand und Zurücknahme eigener Egoismen nötig, um eine erfolgreiche Ehe zu führen.
Ich gebe es nicht gerne zu, aber ein gewisser Materialismus ist uns auch eigen. Wir haben eine für uns schön eingerichtete und für zwei Personen recht große Wohnung. Wir fahren ein Auto, welches uns sehr gefällt und nicht unbedingt das ökologisch sinnvollste Auto ist. Von Zeit zu Zeit fahren wir zusätzlich ein Motorrad nur zum Spaß. Es wäre falsch, zu behaupten, dass wir mit unseren materiellen Ansprüchen jederzeit ökologischen Ansprüchen gerecht werden. Aber ich muss eben auch zugeben, dass uns der Spaß, den diese Dinge bringen, größtenteils wichtiger ist als unser ökologisches Gewissen. Unser sogenannter ökologischer Fußabdruck ist mit Sicherheit nicht klein, aber zur eigenen Beruhigung sagen wir uns auch, dass er wohl erheblich größer sein könnte.
Der dritte Punkt ist uns sehr wichtig. Denn wir sind wirklich gerne unterwegs. Und damit meinen wir nicht unbedingt, dass wir ferne und exotische Länder sehen wollen. Damit meinen wir, dass die Reise als solche das Wichtige ist. Deshalb fliegen wir extrem selten. Der letzte Urlaubsflug war 2002 in die USA. Viel lieber sind wir in Europa unterwegs. Mit dem Motorrad oder dem Auto. Es müssen nicht tausende von Kilometern sein. Wir sind auch viel in Deutschland unterwegs. Immer wieder müssen wir feststellen, dass es so viele schöne Gegenden in unmittelbarer Nähe gibt, dass eine weite Anreise überhaupt nicht nötig ist. Auf unseren Urlaubsseiten könnt Ihr vielleicht sehen, was wir damit meinen.
Wie oben schon erwähnt haben wir nun mehr als ein halbes Jahrhundert hinter uns. Und als Resume würden wir schon sagen, dass wir vieles richtig gemacht haben. Und vor Allem bereuen wir Nichts. Auch Fehler mussten wohl gemacht werden, damit man wieder etwas lernt und einen Schritt weiter kommt. Wichtig dabei war immer, dass wir gemeinsam gegangen sind. Und so wollen wir auch weiterhin gemeinsam gehen. Und da sind wir nun an einem Punkt angekommen, wo wir uns fragen, ob das Alles war und ob wir diesen Weg so weitergehen wollen.
Wir haben mit Sicherheit bisher ein glückliches und zufriedenes Leben geführt. Insbesondere wenn wir uns Bilder im Fernsehen anschauen, müssen wir feststellen, dass wir mit Sicherheit zu einer extrem bevorzugten Generation gehören. Wir haben bisher keinen Krieg erlebt. Uns sind extreme Erschütterungen des Lebens bisher erspart geblieben. Wir haben nie gehungert. Im Gegenteil. Wir konnten uns bestimmt immer mehr leisten als der größte Teil der Weltbevölkerung. Wir waren nie wirklich bedrohlich krank (oder zumindest wissen wir noch Nichts davon). Eigentlich müssten wir also sehr zufrieden sein.
Aber wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir unseren bisherigen Weg so NICHT weitergehen wollen. Bis zum heutige Tage war es mit Sicherheit für uns der richtige Weg. Aber es kann nicht der Weg bis zu unserem Lebensende sein. Wann immer das auch sein mag. Und wenn wir uns die Entwicklung der Welt ansehen, dann befürchten wir, dass dieser Tag eher früher als später kommt. Unser jetziger Lebenswandel gefällt uns schon. Aber es wäre eben auch schön, noch einen anderen Lebenswandel zu probieren.
Damit komme ich zu unserem Traum. In etwa fünf Jahren (also etwa 2015) möchten wir unser schön eingerichtetes Leben hier aufgeben und zu Nomaden werden. Und da wir keine Lottogewinner sind, müssen wir das mit Konsequenzen tun. Wir werden es uns nicht leisten können, immer unterwegs zu sein und weiterhin unsere Wohnung als Rückzugsort zu behalten. Wir werden also Alles verkaufen. Angefangen bei der Wohnung über das Auto bis hin zum (fast) gesamten Hausrat. Und wir werden dann die nächsten Jahre in einem Wohnmobil leben und unterwegs sein. Das mit Sicherheit auch nicht im Luxus sondern eher spartanisch, denn unser Geld muss schon für lange Zeit reichen. Denn bis zur Rente, die wir dann hoffentlich noch bekommen, sind es noch viele Jahre.
Seit diesem Entschluss hat sich unser Leben schon sehr stark verändert. Vor jedem Kauf steht die Frage, lohnt sich das noch für die restliche Zeit. Und dies betrifft tatsächlich alle Lebensbereiche. Sei es Kleidung, Möbel, Deko, Filme und viele andere Dinge, die früher für uns selbstverständlich waren. Nicht nur, dass wir auf das Geld schauen, was wir dafür ausgeben müssten. Sondern auch, ob es noch nötig ist. Brauchen wir noch neue Deko in der Wohnung. Brauchen wir wirklich ein neues Möbelstück oder reicht es auch, wie es jetzt ist. Das ist schon sehr erstaunlich, wie ein solches neues Lebensziel den täglichen Umgang mit Waren beeinflusst. Und wir fangen auch schon an, unsere Dinge zu verkaufen. Denn tausende Gegenstände sammeln sich im Laufe von 20 Jahren an, die wir jetzt nicht mehr brauchen werden. Oder wo wir auch keinen Platz mehr für haben werden. Denn eine Einlagerung wollen wir nicht machen. Die kostet nur monatlich Geld und verkürzt somit unsere Spanne.
Natürlich ist das stellenweise auch nicht einfach. Denn es gibt unzählige Dinge, an denen hängt etwas dran. Viele Erinnerungen und Erfahrungen. Aber brauchen wir diese Sachen wirklich? Wir haben niemanden, dem wir etwas vererben wollen. Wir haben keine Nachfahren, denen wir Erinnerungen vermachen könnten. Und wir legen wirklich keinen Wert darauf, in dieser Welt einen sichtbaren Fussabdruck zu hinterlassen. Also brauchen wir 95% unserer angesammelten Dinge nicht mehr. Das gilt auch für Fotos und Dias aus früheren Zeiten. Das gilt für Bücher und Filme. Das gilt für Hausrat und Kleidung. Beispielsweise liegen im Keller ca. 5.000 Dias von unserer USA-Tour 95. Was soll ich damit noch? Ich habe Sie seit vielen Jahren nicht mehr angesehen.
Das Entscheidende ist dabei das Ziel. Und dieses Ziel heißt für uns, unterwegs zu sein. Nicht hetzen und unzählige Kilometer fressen. Sondern in Ruhe umher ziehen. Zwei oder drei Wochen irgendwo bleiben, dann ein paar hundert Kilometer weiter einen neuen Platz suchen. Sich die Gegend anschauen und wenn man genug gesehen hat, wieder den Motor anschmeißen. Wir haben schon ziemlich klare Vorstellungen davon, wie unser Wohnmobil aussehen soll. Die Frage wird nur sein, ob wir ein entsprechendes Wohnmobil finden werden. Denn wie schon erwähnt, wir sind keine Lottogewinner. Und ein Wohnmobil für hunderttausend Euro kommt mit Sicherheit nicht in Frage. Es wird wohl etwas Älteres werden. Ab 2012 werden wir gezielt danach suchen. Bis dahin schauen wir uns nur den Markt an und prüfen, welche Kompromisse wir wohl eingehen müssen und was machbar ist.
Unser Motto, was oben auf der Seite steht, zeugt von unserer Vorstellung vom Leben. Mit Sicherheit haben wir das nicht immer geschafft. Aber wir haben schon Einiges versucht und auch realisiert. Von einem erfüllten Traum, der USA Tour 1995, könnt Ihr in unserem Reisetagebuch lesen. Und von dieser Tour zehren wir heute noch. Diese Erinnerungen bleiben im Kopf und geben uns auch immer wieder Kraft, an unserem neuen Traum zu arbeiten. Es ist zwar noch etwas Zeit bis dahin. Aber die Jahre gehen unheimlich schnell vorbei. Und wenn man älter wird, dann beschleunigt sich die Zeit immer weiter.
So, das soll es erst einmal gewesen sein. Im Laufe der Zeit wird es bestimmt Neuigkeiten geben. Und das werden wir dann auch hier schreiben. Schaut also mal wieder vorbei.